Die AfD ist bei der Bundestagswahl in Thüringen stärkste Kraft geworden. Nach Auszählung aller Wahlbezirke erreichte sie 24 Prozent der Zweitstimmen. Das sind 1,3 Prozentpunkte mehr im Vergleich zur Bundestagswahl 2017. An die SPD gingen 23,4 Prozent der Zweitstimmen, das sind rund zehn Prozentpunkte mehr als noch vor vier Jahren. Die CDU stürzt auf Platz 3 ab. Mit 16,9 Prozent der Zweitstimmen liegt sie fast zwölf Prozentpunkte hinter dem Wahlergebnis von 2017.
Die Linke, die in Thüringen eine Minderheitsregierung mit SPD und Grünen anführt, kommt auf 11,4 Prozent, minus 5,5 Prozentpunkte. Die FDP legt leicht zu und erreicht neun Prozent. Die Grünen steigern ihr Ergebnis um 2,5 Punkte und erreichen 6,6 Prozent. Sonstige Parteien kommen auf 8,7 Prozent.
Insgesamt vier der acht Thüringer Direktmandate für den Bundestag gingen diesmal an die AfD: Marcus Bühl gewann Gotha-Ilmkreis, Stephan Brandner Gera - Greiz - Altenburger Land, Michael Kaufmann Saalfeld-Rudolstadt - Saale-Holzland - Saale-Orla und Klaus Stöber Eisenach-Wartburgkreis-Unstrut-Hainich-Kreis. In einem fünften Wahlkreis - Jena - Sömmerda - Weimarer Land I - lag der AfD-Bewerber Torben Braga lange vorn, am Ende zog der SPD-Konkurrent Holger Becker aber an ihm vorbei.
Zwei weitere Wahlkreise gingen außerdem an die SPD: Den umkämpften Südthüringer Wahlkreis 196 holte der frühere Biathlet Frank Ullrich deutlich vor dem CDU-Bewerber, dem früheren Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen. Erfurt-Weimar-Weimarer Land II geht an den gebürtigen Erfurter Carsten Schneider, der 2017 Antje Tillmann von der CDU unterlegen war. Tillmann wird jedoch voraussichtlich über die Landesliste den Wiedereinzug in den Bundestag schaffen.
Das einzige Direktmandat für die CDU holte diesmal Manfred Grund. Er gewann den Wahlkreis Eichsfeld - Nordhausen - Kyffhäuserkreis zum achten Mal. Bei der Bundestagswahl 2017 hatte die CDU in Thüringen alle acht Direktmandate gewonnen.
Damit wechselt ein AfD-Landtagsabgeordneter aus Thüringen in den Bundestag: Michael Kaufmann. Für ihn rückt ein AfD-Listenkandidat nach, der bei der Landtagswahl den Einzug ins Landesparlament verpasste. Wer das ist, ist noch offen, zumal der Kandidat das Mandat auch ausschlagen kann.
